Freitag, 12. Februar 2016

Filme selbst entwickeln


SW Filme selbst entwickeln.

Was brauche ich? Muss eine Dunkelkammer sein?

Rotlicht? Nein, vergesst es! Warum...? 

 
Jobo Uni Entwicklungstank für 35mm Filme und 120er Rollfilme, Entwicklungsspulen und Laborzangen


Hi, ich freue mich, dass Du als Leser auf meinen Blog gestoßen bist! :-)

Ich kann Euch beruhigen, es kostet in der Tat nicht viel, wenn mehrere Filme entwickelt werden sollen, ist es oft sogar günstiger als sie in einem Labor entwickeln zu lassen.
Der weitere Vorteil, Labore entwickeln eher in einem Standardverfahren, bei der Eigenentwicklung hat man doch ein wenig mehr Kontrolle über das Endergebnis.

Eine spezielle Dunkelkammer ist übrigens nicht unbedingt nötig.
Ein verdunkelbarer Abstellraum, ein Badezimmer bei Nacht, ein Keller, es gibt viele Alternativen. Hauptsache dunkel.

Zum öffnen der Filmdosen gibt es spezielle Filmöffner, ein Seitenschneider oder Kapselheber tut es in der Regel aber auch.

ACHTUNG: Den Film natürlich nur bei Dunkelheit aus der Patrone holen!

Ihr benötigt natürlich noch eine Entwicklerdose, diverse Chemikalien, Chemikalienflaschen und einen alten Kanister zur Entsorgung, ein wenig müsst Ihr am Anfang schon in Zubehör investieren, aber schon nach den ersten paar Filmen habt Ihr Euer Geld wieder raus - im Vergleich dazu was eine Entwicklung im Labor oft kostet.
Links zu passendem Zubehör und Chemikalien weiter unten, aber zuerst beschreibe ich Euch die Vorgehensweise.

Falls Ihr nun an dieses "typische Ding" mit der Rotlichtlampe denkt, vergesst es gleich wieder. Das benötigt man für eine Positiventwicklung, also für Papierabzüge.

Folgende Tätigkeiten bitte nur im absolut Dunklen vollziehen.
Das bedeutet euch keine Armbanduhr die ein leuchtendes Display hat, kein Handy welches eine blinkende Status-LED hat, nichts davon. Es sei denn Ihr wollt Euren Film ruinieren.

(Bitte vorher mit dem Werkzeug und dem Zubehör vertraut machen, Ihr seht es gleich nicht mehr!)

1) Vorsichtig die Patrone öffnen, entweder am Schlitz oder oben und den Film herausziehen.
2) Den Anfang des Films mit einer Schere vorsichtig halbrund schneiden. Bitte so schneiden, dass die Perforation nicht angeschnitten wird, da sich der Film an den entstehenden "Haken" sonst in der Spule festhaken kann.

35mm Filmanfang (im Dunkeln) zuschneiden, dass das einzufädelnde Ende möglichst rund ist und keine "Widerhaken" bildet wie hier im Beispielbild gezeigt.

3) Den Film in die Filmspulen einfädeln, dort gibt es kleine auch im Dunkeln tastbare Kerben wo Ihr startet, der Rest ist denke ich selbsterklärend. Durch gegenläufiges Drehen der beiden Spulenhälften könnt Ihr den Film nun aufziehen - oder ihr schiebt den Film einfach mit den Fingern weiter, achtet jedoch hier darauf nur an der Perforation zu schieben, da ihr sonst Fingerabdrücke auf dem Film hinterlasst.

Den 35mm Film nun mit dem abgerundeten Ende in die Entwicklungspule schieben.

4) Die kleine Spule am Ende des Films (mit der er in der Patrone aufgewickelt war) wird nun abgeschnitten
5) Die Spule auf das Mittelrohr stecken, in den Entwicklertank, Deckel drauf, fest verschließen.

Licht an! :-)

Ab jetzt wird wieder im Hellen gearbeitet.

Für Punkt 1) und 2) benötigt Ihr nun die Chemikalienflaschen, Entwickler, Fixierer, genaues Thermometer.

1) Als erstes mischt Ihr den Entwickler an, nehmt Euren fertigen Entwickler, je nachdem was zutrifft.
ACHTUNG: Mischungsverhältnis laut Flasche unbedingt beachten!
Der Entwickler wird im Wasserbad auf 20 Grad erwärmt/abgekühlt.

2) Den Fixierer ebenfalls anrühren, er benötigt keine spezielle Temperatur, normale Raumtemperatur stellt kein Problem dar.

3) Etwas Wasser (normale Raumtemperatur) in den Entwicklertank gießen und den Film wässern. Das ist kein verpflichtender Schritt, aber ein gewässerter Film nimmt den Entwickler besser an, da das Material etwas aufquillt. Nach zwei Minuten das Wasser wieder ausgießen

4) Nachdem Ihr im Internet die Entwicklungszeit Eures Filmes recherchiert habt (!) gießt Ihr den Entwickler in den Entwicklungstank. Das Eingießen sollte zügig erfolgen, gießt Ihr die Flüssigkeit zu langsam ein, wird der Film unten in der Dose früher - und somit länger - entwickelt als der obere Teil. Für ein gleichmäßiges Ergebnis also bitte schnell (aber ohne zu verschütten) eingießen.

5) Deckel verschließen, mehrmals schwenken, dann die Dose einmal auf den Tisch "schlagen" um Luftbläschen vom Film zu lösen. Die Dose die erste Minute gerne konstant schwenken und kippen, danach etwa alle 30-45 Sekunden einmal schwenken oder kippen.

6) Nach Ablauf der Zeit den Entwickler zügig in einen (alten) Kanister zur Entsorgung gießen, bitte nicht in den Abfluß kippen!

7) Wasser in die Dose kippen, kurz stehen lassen, wieder auskippen. Das stoppt die Entwicklung des Filmes. Es gibt auch spezielle "Stopbäder", die man verwenden kann, Wasser reicht in der Regel aber aus.

8) Den Fixierer in den Entwicklungstank gießen, ab und zu schwenken, warten. Ich empfehle 7 bis 10 Minuten. Der Fixierer kann wieder in seine Flasche zurückgegossen werden, im Gegensatz zum Entwickler ist er wiederverwendbar.

9) Den Film aus der Spule in einen Eimer mit Leitungswasser legen. Ihr könnt auch die komplette Spule in den Eimer legen, das ist auch okay. Den Film 20 Minuten in Ruhe wässern lassen.

10) Die anderen benutzten Gegenstände sorgfältig von Chemikalienresten reinigen, sonst gibt es Probleme bei der nächsten Entwicklung.

11) Den Film mit Hilfe von Filmklammern (Wäscheklammern gehen auch) aufhängen und trocknen lassen. Eine Klammer um ihn oben zu befestigen, eine unten als Gewicht damit der Film sich nicht aufrollt.

12) Fertig! :-) Glückwunsch, der erste eigene Film ist fertig!


Hier Links zu Chemikalien und Zubehör:
(Der Rodinal R09 gefällt mir gut, etwas grobkörniger, außerdem für Flachkristallfilme nicht so geeignet. Wer es feinkörnig haben will, da lieber den Kodak Entwickler in Pulverform zum anrühren.)

Kodak D 76 Entwickler  ///  Agfa Rodinal R09 One Shot S/W Negativentwickler 500ml 

Ilford 1984262 Rapid Fixierer 1000ml 

Jobo Uni Tank Entwicklungstank mit 1 Spirale für 1 KB- oder 120er-Film 

Chemikalienflasche 1000ml 

Für die Aufbewahrung:
Negativhüllen 260 x 310 mm (100 St.)


ACHTUNG: Alles was Ihr mit Chemikalien verwendet, bitte nicht weiterhin mit Lebensmitteln verwenden. Bitte also zum Messen usw einen Extra-Messbecher & Extra-Thermometer kaufen!

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Kommentare:

  1. Super Beschreibung, in meiner alten Olympus und in der Zenith B sind noch Filme, die darauf warten, entwickelt zu werden! Vor den Schneidarbeiten im Dunkeln hab ich jedoch...naja Bedenken! Viele Grüße!

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    1. Vielen Dank, ich wollte schon längst ein Video dazu aufnehmen in dem ich das Einfädeln der Spulen nochmal zeige, ich hoffe ich komme bald dazu, dann füge ich das Video hier in den Blogbeitrag noch mit ein! :-)

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    2. PS: Das Schneiden im Dunkeln ist supereinfach, einfach mit einer gerundeten Nagelschere den Film em Ende etwas abrunde, dient nur zum besseren Einfädeln, da kanst du aber kaum etwas falsch machen, es muss ja nicht perfekt aussehen, es soll ja nur leichter in die Spule gehen :-) Den tatsächlichen Film schneiden (zwischen den Bildern) kannst du dann ja später bei Licht wenn der Film entwickelt ist. :-)

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